E Pluribus Unum Part II: Reisepass und ESTA

nyny

Für so eine Auslandsreise ausserhalb der europäischen Union braucht man ja einen Reisepass. Wenn man, wie ich, bisher erst in den an die Heimat angrenzenden Ländern gewesen ist, hat man sowas nicht. Da zufälligerweise mein Personalausweis auch abgelaufen war, passt das natürlich herrlichst zusammen. Ab zum Bürgerbüro und schnell beides beantragt.
Wenn das mal so einfach wäre…

Beim ersten Versuch konnte ich gleich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Man teilte mir mit, dass in Dortmund die Server für den neuen Perso abgeschmiert wären und somit keine Beantragungen möglich sind. Es könnte aber sein, dass das Problem noch im Laufe des Tages behoben werden würde. Okay gut, kein Thema, in der Bochumer Innenstadt gibt es ja doch so die ein oder andere Möglichkeit sich ein wenig Zeit zu vertreiben. Nach einer Zwischenmahlzeit dann also der nächste Versuch: “Nee, das ist nicht behoben und wird es auch nicht so schnell. Frühestens Mitte nächster Woche.” Hmm gut, die gleiche Dame hatte mir vor ca. zwei Stunden die Info gegeben, … Naja, also wieder ab nach Hause.
Zumindest die Fotos, auf denen man aufgrund der biometrischen Richtlinien mittlerweile aussieht wie ein Verbrecher, waren schon gemacht, sonst wäre ich ganz umsonst in der City gewesen.

Vor dem zweiten Versuch habe ich dann aber sicherheitshalber angerufen und mich versichert, dass beide Beantragungen (Perso und Reisepass) auf jeden Fall möglich sind. Also auf, auf.
Vorher musste ich aber noch einen Geldspucker besuchen, insgesamt 60 Euro hatte ich abzudrücken (37, 50€ für den Reisepass und 22,80€ für den neuen Personalausweis). Aber gut, dass diese Reise nicht gerade ein günstiger Pauschalurlaub werden würde, wusste ich vorher.
Bei der Beantragung lief alles zu meiner Überraschung relativ schnell und unkompliziert. Weder musste ich drei Stunden warten, noch war die Mitarbeiterin überfordert oder ähnliches. Da auf dem Reisepass meine Fingerabdrücke eh zwangsweise abgespeichert werden, sind sie jetzt auch auf meinem Personalausweis.
Die Bearbeitung verlief verdammt schnell, nach guten zwei Wochen waren Pass und Ausweis schon fertig und abholbereit, Respekt dafür.

Für die Einreise in die USA benötigt man im Rahmen des Visa Waiver Pogram (Visumsfreies Reisen) einen genehmigten ESTA (Electronic System for Travel Authorization)-Antrag. Für diesen Antrag braucht man auch seine Reisepassnummer, die mir freundlicherweise beim Pass-Antrag von der Mitarbeitern (leider fälschlich, wie sich später rausstelle) aufgeschrieben wurde, so dass ich mit ESTA nicht bis zur Passabholung, welche im Endeffekt zwei Tage vor Abflug war, zu spät also (der genehmigte ESTA-Antrag muss bis mindestens 72 Stunden vor Reiseantritt bei den Behörden in den USA vorliegen), warten musste.

ESTA muss online ausgefüllt werden und liegt sogar in Deutsch vor, trotzdem muss allerdings auf Englisch geantwortet werden. Zuerst werden die Stammdaten, wie Name, Geburtsdatum, Herkunft, etc. und Reisepassnummer sowie Ablaufdatum abgefragt. Optional sind dann die Infos zum Flug und zum Aufenthaltsort in den Vereinigten Staaten. Diese sollte man aber wenn bekannt ein- (bzw. nach)tragen.
Das amüsanteste sind die folgenden Fragen, aufgrund deren Antworten der Antrag bewertet wird:

C) Waren Sie jemals oder sind Sie gegenwärtig an Spionage- oder Sabotageakten, an terroristischen Aktivitäten oder an Völkermord beteiligt, oder waren Sie zwischen 1933 und 1945 in irgendeiner Weise an Verfolgungsmaßnahmen in Zusammenhang mit dem Naziregime oder dessen Verbündeten beteiligt?

 Und:

E) Haben Sie jemals eine Person mit U.S.-Staatsbürgerschaft daran gehindert, das ihr gerichtlich zustehende Sorgerecht für ein Kind auszüben, oder haben Sie ihr dieses Sorgerecht vorenthalten oder verweigert?

 Ich frage mich, wer, der diese Fragen mit Ja beantworten müsste, das auch tun würde…
Jedenfalls folgt nach der Beantwortung der Fragen noch die obligatorische Bestätigung und, nicht zu vergessen, dass Bezahlen der Bearbeitungsgebühr plus “Genehmigungsprämie” von insgesamt 24$, zahlbar ausschließlich und nur per Kreditkarte. Wer keine hat, kann den Antrag nicht bezahlen und hat somit keine Chance die Einreisegenehmigung zu bekommen, hat also, ergo, Pech gehabt.
Die Information, ob der Antrag genehmigt oder abgelehnt wurde, bekommt man übrigens sofort nach der Übermittlung. 

Da ich, wie oben geschrieben, die ESTA-Anträge ausgefüllt habe, bevor ich den eigentlich Reisepass vorliegen hatte, gab es noch ein kleines, mich einige Nerven kostendes Chaos. Auf dem Zettelchen aus dem Bürgerbüro stand nämlich eine Ziffer/ ein Buchstabe zu viel, bzw. falsch. Nachdem man seinen Antrag gestellt hat, kann man die Reisepassnummer allerdings nicht mehr ändern. Der Fehler fiel mir erst auf, als es eigentlich schon zu spät war. Also habe ich versucht die U.S. Customs and Border Protection per Mail zu erreichen und den Fehler zu schildern. Zurück bekam ich allerdings nur eine Standardantwort mit dem Inhalt, ich müsse einen neuen Antrag stellen. Auf meinen Einwand, dass es doch aber dafür eigentlich schon zu spät wäre, kam lediglich die gleiche Antwort nochmal. Also ab dafür und die Anträge neu ausgefüllt, die Mails ausgedruckt und alles zusammengeheftet. Mir war schon etwas mulmig, da man ja hier und dort von der Pingeligkeit der Behörden in den USA schon hört…

E Pluribus Unum Part I: “Häh?”

Die Gebildeten vor! “Aus vielen Eins” ist einer der beiden Wahlsprüche welches großen Landes? Richtig, der Vereinigten Staaten von Amerika.
Geplant sind 6-10 Tage Aufenthalt an der Ostküste der USA, zu denen ich hier ein kleines Reisetagebuch schreiben werde, da ein Abstecher in das “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” ja nicht ganz so einfach ist, wie an der Nordsee auf Langeoog oder Spiekeroog zwei Wochen Sommerurlaub zu verbringen. Wobei das mit der Kurtaxe… Lassen wir das.

Los geht’s im ersten Teil (mal sehen wie viele es insgesamt werden) aber mit den allerersten Vorbereitungen bzw dem “was wird das hier eigentlich”. Gebucht ist noch nichts, kein Flug, kein Hotel, kein Transfer. Nur die Planung, die steht so einigermaßen. Zielort soll New York City sein, erreicht via DUS Int, über Paris-Charles-de-Gaulle (den ich aber eigentlich gerne umgehen würde, Heathrow oder Zürich wären mir da um einiges lieber) und JFK International als Endflughafen. Die ungefähre Aufenthaltszeit steht ebenso, wobei diese recht flexibel getaltet ist. Hat man Glück, zahlt man für 10 Tage inklusive Hin- und Rückflug sowie Hotel 800 Euro, hat man Pech, zahlt man für nur sieben Tage 1600 Euro.
Soweit also der Plan. Der erste Schritt werden also Reisepass und ESTA sein. Was das genau ist, gibt’s dann im zweiten Teil mit ebendiesem Namen: E Pluribus Unum Part II: Reisepass und ESTA

To be continued…

PS: Wer schonmal in den USA war und mir Tipps und Hinweise geben möchte, ist natürlich herzlich gerne dazu eingeladen.

Soon…

Wie ein Fels, so stark und fest

Das Pulverfass VfL Bochum 1848 hatte eine Lunte, die nicht gen Unendlichkeit ging. Gestern Abend, am 4. Oktober 2010 stand die Jahreshauptversammlung des Vereins auf dem Plan und, man kann es nicht anders sagen, das Pulverfass ist in die Luft gegangen.

Der Pottblog und die Lagerstätte von Andreas Wiemers haben bereits sehr gute und lesenswerte Artikel zum Geschehen verfasst, meine Wenigkeit (@cn3d) hat gestern versucht, mit @derblauekanal, @ruhrpoet und @awiemers ein wenig von der JHV in die Außen- bzw. Twitterwelt zu tragen.

Für mich persönlich fing der Abend schon dämlich an. Eigentlich wollte ich mich mit einigen Anderen der oben schon genannten Herrschaften vor “Anpfiff” im Haus Frein treffen, musste dann aber kurzfristig aufgrund eines kleinen Notfalls im Freundeskreis umplanen. Gegen 18:30 Uhr stand ich dann aber doch in der Schlange vor den Türen des RuhrCongress Bochum, der einen wohl vereinsgeschichtsträchtigen Abend erleben sollte.
Ich bin seit 2004 Mitglied beim VfL und besuche seit 2007 (18. Lebensjahr) regelmäßig die Jahreshauptversammlungen. Aber so ein Andrang wie gestern, dass war mir bereits beim Schlange stehen klar, hatte ich noch nie gesehen. Wie immer trug man sich bei Fr. Ternow in die Anwesenheitsliste ein und bekam dann eine Mappe mit Stimmzetteln und den Anträgen in schriftlicher Form ausgehändigt. Im Saal selbst sah es zu diesem Zeitpunkt (18:50) schon gut gefüllt aus, allerdings waren noch diverse Sitzplätze frei. Okay, der Eindruck von draußen trügte wohl doch…
Dem war aber nicht so, denn Ansgar Borgmann, der als Moderator durch den Abend führen sollte, kündigte bereits früh an, dass die Versammlung aufgrund der noch draußen wartenden Menschen später anfangen würde. Nach einer zweiten ähnlichen Mitteilung gab es dann bereits den ersten kleinen Aufreger im Saal. Die Türen wurden geschlossen, Borgmann teilte mit, dass aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen keine weiteren Leute mehr hinein dürfen. Das erste laute Raunen und Kopfschütteln schon vor dem eigentlichen Beginn. In einem zweiten Saal sollte für diese Mitglieder, die nicht mehr hineindurften, Beamer und Beschallung aufgebaut werden. Inwieweit das durchgeführt wurde/funktioniert hat, kann ich leider nicht beurteilen. Natürlich konnte keiner damit rechnen, dass SO viele Mitglieder der Einladung folge leisten würden, aber es war doch der erste kleine Tropfen in das Glas, das schon fast nur noch aufgrund der Oberfläschenspannung nicht überlief.

Ich denke es wird so 19:45 Uhr gewesen sein, als Werner Altegoer, seines Zeichen Aufsichtsratsvorsitzender, die anwesenden Mitglieder begrüßte. Anfangs befanden sich nach Liste 657 Mitglieder im RuhrCongress, der Eindruck von draußen hatte sich also doch bestätigt. Drei mal so viele Menschen wie im letzten Jahr… Dann der nächste Aufreger: Die Mannschaft, sonst immer zumindest die Hälfte des Abends anwesend, sei “aus Platzgründen” nach Hause geschickt worden. Laute Buh-Rufe und Pfiffe. Diese Ausrede musste den Herrschaften der Vereinsführung gerade recht gekommen sein.
Die folgende Genehmigung des Protokolls war trotz der ein oder anderen Enthaltung nur Formalität.
Thomas Ernst, Vorstand Sport & Medien eröffnete die Reihe der Berichte mit seinem Vortrag zur sportlichen Situation und der Jugendarbeit.

Vor allem die mit Worthülsen gefüllte und mit schwer nachvollziehbaren Argumenten gefütterte Rede des Sportvorstandes [...]

Andreas Wiemers

hat auch mich mehrmals zum hin- und herbewegen des Kopfes veranlasst. Aber es war das, was man von Ernst erwarten konnte und wohl auch musste. Diese Rede gipfelte dann im Versuch, den Mitgliedern indirekt die nicht losgewordenen Spieler der Abstiegssaison mit als Konzept für diese neue Spiezeit zu verkaufen. Auch schnitt er die neuen Frauenteams an und erklärte einige Dinge zum Jugendkonzept.
Ansgar Schwenken, im Vorstand für den Bereich Finanzen zuständig, folgte mit seinem Bericht. Schwenken stellte wie gewohnt die Geschäftszahlen vor und präsentierte den Anwesenden die erstmalige Schuldenfreiheit mit einem positiven Eigenkapital zum 30. Juni 2010 von ca. 100.000€, kalkulierte aber gleichzeitig die jetzige Zweitligasaison mit einem Minus von 2,6 Millionen Euro. Mit viel Selbstironie und ein wenig Komik hat Schwenken wohl den wieder aufgebrachten Saal nach der Rede von Thomas Ernst ein wenig beruhigen können.

“Nach meiner Rechnung fehlen in ihrem Bericht 5 Millionen Euro”, wollte jemand bei der Aussprache festgestellt wissen und ließ Schwenken für eine Sekunde stutzig werden, der dann aber den Irrtum schnell und schmunzelnd aus dem Weg räumen konnte. In der schon angesprochenen Aussprache stand dann aber hauptsächlich Sportvorstand Ernst in der Schusslinie, die schon bald mehr einem Sperrfeuer und einer Einkesselung glich.

“Ich habe sie in der Vergangenheit einmal gefragt, ob sie ihre Zukunft beim VfL vom Klassenerhalt abhängig machen. Zu ihrem Glück sagten sie damals “Nein.”

Mitglied auf der JHV

Auf eine direkte Aufforderung zum Rücktritt antwortete Ernst sinngemäß, “wer keinen Erfolg hat, hat auch keine Argumente”, und “Ich werde heute Abend nicht zurücktreten”.

Soweit, so “gut”. Es ist schwer meine Gefühlslage am gestrigen Abend zu beschreiben. Es fing mit dem mulmigen Bauchgefühl beim Einlass an, wurde dann zu Angespanntheit und Nervosität und etwas Undefinierbarem. Und das schon jetzt bevor überhaupt jemand über die Anträge gesprochen hat. Was dann jetzt folgte, war der Anfang vom Untergang des Aufsichtsrats in seiner jetzigen Zusammensetzung. Normalerweise sind die Entlastungen des Vorstands und des Aufsichtsrats Formalia. Nicht so gestern Abend.
Ich behaupte, dass die meisten gestern Anwesenden sehr wohl wissen was genau diese Entlastung ist und wofür sie gedacht ist.  Aber sie haben es als einzige Möglichkeit gesehen, dem Vorstand (hauptsächlich der Abteilung Sport) und dem Aufsichtsrat (insbesondere Werner Altegoer) zu zeigen, dass es so nicht weiter geht, dass der Verein keinem egal ist, dass wir alle uns um die Zukunft sorgen.

Der Vorstand ist bei 115 Enthaltungen und 196 Gegenstimmen knapp entlastet worden. Bei der Entlastung des Aufsichtsrats kam es dann zum Eklat. Es wurde abgestimmt, und die Hände passten überhaupt nicht zu den gezählten Stimmen. Laute Stimmen forderten eine Gegenprobe, eine neue Abstimmung. Altegoer aber weigerte sich vehement, nuschelte in sein Mikrofon: “Als Versammlungsleiter stelle ich die Entlastung des Aufsichtsrats fest.” Dann wurde der Lärm unfassbar, viele standen schon, mir rutschte, ganz ehrlich, fast das Herz in die Hose in diesem Augenblick. Das war der Moment in dem der Riss zu einem glatten Schnitt wurde und beide Seiten unwiderbringlich voneinander getrennt wurden. Das Chaos war perfekt. Altegoer weigerte sich weiter neu abstimmen zu lassen, berief sich auf juristische/rechtliche Beratung.
Die ersten wirklichen Anträge auf geheime, schriftliche Neuwahl und Auszählung. Auch beschwichtigende Stimmen versuchten Altegoer zu einer neuen Abstimmung zu überreden. Prof. Schütt schaltete sich ein und sah sich und die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats als Deppen die keine Ahnung hätten hingestellt. In diesen ganzen Tumulten, fast jeder versuchte zu Wort zu kommen, Rufe aus der Versammlung, habe ich auf meinem Platz gesessen und das alles fassungslos verfolgt.

@cn3d Michael Fassbender
Ich befürchte hier bricht gerade was gänzlich auseinander…

cn3d/status/26391464646

Es war gänzlich aus dem Ruder gelaufen. Werner Altegoer beschwerte sich wieder einmal über den Umgang miteinander, aber wie sagt man doch? Wie man in den Wald hineinruft… Dann wurde der Druck zu groß. Der “große Patriarch” gab nach und es sollte zu einer neuen Abstimmung kommen. Ich werde jetzt hier meine Tweets aus dieser Situation, durch Zeilen getrennt hintereinander wegschreiben:

Neuer Versuch, Prozedur ist die gleiche, keine geheime Wahl.
Das sind definitiv zu viele Gegenstimmen.
Vom Eindruck her mehr als die Hälfte.
Puh. Schwierig.
Ähnlich viele Pro Stimmen…
Ist gezählt, jetzt die Rechnung…
Gegenstimmen: 309; JA knapp über 200
Altegoer tritt zurück.
Hälfte des AR tritt auch zurück
Jetzt wird es ein Chaos.

Der tosende Applaus, die fassungslosen Gesichter, das Chaos als Werner Altegoer wieder einmal nuschelnd verkündete: “Damit ist dann auch meine Arbeit für den VfL beendet”. Die aufflammenden Diskussionen, der Rücktritt anderer Aufsichtsratsmitglieder, der Saal war kaum zu beruhigen. Verständlich nach diesem Eklat. Es sollte ein Denkzettel sein. Ein Weckruf. Jemand forderte den Ehrenpräsidenten Ottokar Wüst zu einer Rede auf, dieser kam der Bitte nach. Er sprach von Fehlern die gemacht wurden, forderte eine außerordentliche Mitgliederversammlung, Einbindung alter, verdienter Spieler. Dann, Altegoer trat nach: “Ich weiß genau so von den Fehlern die du gemacht hast, Otto.” Ein unglaublicher Geräuschpegel, zum wiederholten Male.
Ich wette viele haben sich gedacht: Danke Werner, aber regle deine Nachfolge und dann geh. So ist es nicht gekommen, und ich denke mit dieser Situation hatte auch keiner gerechnet. Hätte Altegoer der Gegenprobe sofort zugestimmt, ich bin mir sicher, es wäre knapp geworden, aber der Aufsichtsrat wäre entlastet gewesen. So schürrte sich die Glut und wurde zum lodernden Brand im RuhrCongress.

Aufgewühlt und immer noch nicht klar denken-könnend ging es dann ‘einfach so’ weiter mit dem nächsten Punkt der Tagesordnung, die nur noch den Teil “ordnung” enthielt, weil er zum Terminus einfach dazugehört, der Nachwahl eines Mitglieds des Aufsichtsrats. Es gab nur einen Kandidaten, Kabarettist Frank Goosen wurde vermutlich ohne Gegenstimme gewählt, so genau hat das niemand mehr gezählt. In seiner Rede war er ratlos, sprachlos, überfordert. Und fand dennoch die richtigen Worte, nahm nach seiner Wahl seinen neuen Platz auf dem Podium ein.
Es ging immer weiter, auch die vier Kandidaten für den Wahlausschuss stellten sich vor und in der dann folgenden geheimen Wahl wurden die Drei mit den meisten Stimmen gesucht. Während der Auszählung wurden die Ehrungen ausgesprochen, insbesondere Ottokar Wüst, der für 75 Jahre Vereinsmitgliedschaft ausgezeichnet wurde, erntete Standing Ovations. Als das Wahlergebnis dann vorlag, Frau Kerstin Kliß und die Herren Günter Bernhörster sowie Roland Mitschke wurden gewählt, es war kein zweiter Wahlgang notwendig, folgten bereits die Anträge.

Der erste Antrag, bezugnehmend auf die Wahrnehmung der Fans ausserhalb, der eigentlich keiner war, sondern eine Wortmeldung bzw. Anregung, wurde genauso aufgefasst und erhielt dementsprechend wenig Zustimmung. Folgende Anträge betrafen die Satzung. Jener von Herrn Lange wurde aufgrund von Formfehlern zurückgeweisen, Wir sind VfL zog seine Anträge der Situation wegen zurück. Die letzten beiden Anträge bezogen sich auf die FIFA Frauen WM 2011 und wurden in den Berichten bereits geklärt, waren also Makulatur.
Dann schloß Werner Altegoer die Versammlung und dankte den Anwesenden.
Bumm, Ende. Aus.

Zum Schluss noch einmal ein Zitat von Andreas Wiemers über Frank Goosen, das neu gewählte Mitglied im Aufsichtsrat, dass ich ebenfalls nur hundertprozentig unterschreiben kann.

Wer als Neueinsteiger unmittelbar nach den Rücktritt von fünf Aufsichtsratsmitglieder so adäquat reagiert, hat vom Vereinsleben und -führung deutlich mehr verstanden als viele derjenigen, die an diesem Abend die Flucht ergriffen haben!

Andreas Wiemers

Auf die Äußerungen eines gewissen G. Pohl, der nach Ende der Versammlung an uns vorbei wetterte, und die geschrieben Berichte in “seinem” Reviersport” will ich hier gar nicht mehr eingehen. Es ist mir einfach absolut zu dämlich auf so ein lächerliches und von persönlichen Fehden getriebenes Getue auch nur den Hauch einer Erwiderung zu schreiben.

PS: Bitte seht mir etwaige Fehler nach, der Kopf ist auch am Tag danach noch nicht wirklich frei. Sollte ich irgendwelche größeren inhaltlichen Böcke geschossen haben, bitte melden, wird dann korrigiert.

Glück Auf.

Was keiner machen will…

… aber gemacht werden werden muss.
Dafür lässt sich selten schnell jemand finden. Und wenn man dann doch, wenn auch per Zufall, irgendwann einmal das passende Subjekt für den Auftrag gefunden hat, lässt man es so schnell nicht mehr von der Leine.

Filmemacher. Wie DJs oder generell Künstler und Politiker. Eine Spezies für sich. Zu einem bestimmen Thema muss das passende Setting, die Geschichte und die darstellenden Akteure gefunden werden. Ist das erstmal geschafft, ist eine Hürde schonmal genommen. Danach kommen dann die Ideen. Die wachsen wie Geschwüre im Hirn, gedeihen, bekommen Ableger, die widerrum zu neuen Hirngespinsten wachsen.

Produktionsleiter haben nur eine Aufgabe: Umsetzung. Alles. Am besten sofort. Und kostenlos. Um die geeigneten Locations zu finden gibt es dann noch die Scouts. Die tingeln den ganzen Tag durch’s Land, und suchen Plätze, die mit “Aha, hier is’ schön” klassifiziert werden können. Diese Locations wandern dann in ein Auswahlverfahren, in dem entschieden wird, hier drehen wir, oder halt auch nicht.
Wenn Filme mit Kindern gedreht werden, gibt es die ein oder andere Schwierigkeit mehr zu meistern. Zum Beispiel wenn man des nächtens drehen möchte. Da das deutsche Recht nicht gerne sieht, wenn Kinder spät nachts noch arbeiten, ist es also recht schwierig, Nachtszenen auch in der Nacht zu drehen..
Es gibt in Recklinghausen eine Justizvollzugsanstalt. Nur eine Zweiganstalt der “Krümmede”, trotzdem eine JVA. Die ist aber baufällig und steht dementsprechend leer.

Fügen wir dann die Puzzleteile doch zusammen:

  • Eine Konstruktion die niemand bauen will, weil es sich keiner zutraut.
  • Ein Filmset mit einer Nachtszene, sowie Kindern die aber bei Tag gedreht werden muss.
  • Eine leerstehende JVA in Recklinghausen

Im Klartext: Für einen deutschen Film mit (Kinder-)Darstellern (u.a. Nora Tschirner und Axel Stein) bauen wir in der Nacht von Montag auf Dienstag auf dem Dach der ehemaligen Zweiganstalt Recklinghausen (ja, richtig, AUF dem Dach der JVA) eine sogenannte “Blackbox”, die es dem Filmteam ermöglicht, Nachtszenen bei Tageslicht zu drehen. Das ist im Prinzip nichts anderes als, einfach gesagt, ein Gerüst mit schwarzem Stoff rundherum blickdicht abgehangen. Und sobald diese Nachtszenen auf dem Dach der JVA im Kasten sind, wird alles wieder abgerissen, damit die Herrschaften schnell weiterdrehen können.
Der Film hat übrigens ein Budget von circa 5 Millionen Euro.

Das wird eine abenteuerliche Geschichte, aber es wird mit Sicherheit sau viel Spaß machen.
Egal was, Wolff macht’s!

PS: Am Wochenende davor (also dem kommenden) touren wir mit einem 7,5t LKW durch die Weltgeschichte und bauen gefühlte 23 Veranstaltungen inklusive Betreuung.
Freunde, das ist Arbeit!

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